Typologie
Die 7 Plagiatsarten im Überblick
Die Plagiatsforschung unterscheidet sieben typische Erscheinungsformen. Wer sie kennt, vermeidet sie automatisch und erkennt im eigenen Text leichter, wo eine Quellenangabe fehlt.
1
Vollplagiat
Die komplette Übernahme eines fremden Textes, der unter eigenem Namen eingereicht wird. Klassisches Beispiel: ein ganzer Abschnitt aus einer Hausarbeit eines Kommilitonen oder ein Aufsatz aus dem Internet, der unverändert übernommen wird. Vollplagiate sind die am leichtesten zu erkennende Form, sie tauchen in Prüfberichten meist als zusammenhängende rot markierte Blöcke auf.
Beispiel: Drei Seiten aus einem frei zugänglichen PDF einer anderen Hochschule, eingefügt in die eigene Bachelorarbeit.
2
Teilplagiat (Shake&Paste)
Passagen aus mehreren Quellen werden montiert und zu einem scheinbar eigenen Text zusammengefügt. Häufig erkennbar an einem stilistisch uneinheitlichen Schreibstil. Auch wenn keine einzelne Quelle komplett übernommen wurde, bleibt es ein Plagiat, weil die Gesamtleistung der Synthese nicht vom Autor stammt.
Beispiel: Ein Absatz, der aus drei Wikipedia-Sätzen, zwei Sätzen aus einem Blog und einem Satz aus einem Lehrbuch zusammengesetzt ist.
3
Verschleierungsplagiat
Der fremde Text wird umformuliert, Synonyme werden ausgetauscht, Sätze umgestellt, aber die Quelle nicht angegeben. Diese Form ist weit verbreitet und mit modernen semantischen Prüfsystemen wie PlagAware trotzdem erkennbar, da Bedeutung und Aufbau erhalten bleiben.
Beispiel: Aus „Die Industrialisierung führte zu massiven sozialen Umwälzungen" wird „Massive soziale Veränderungen waren die Folge der Industrialisierung", ohne Quellenangabe.
4
Übersetzungsplagiat
Inhalte aus einer fremdsprachigen Quelle werden übersetzt und ohne Quellenangabe verwendet. Lange galt diese Form als kaum auffindbar, moderne Index-Systeme decken inzwischen jedoch auch übersetzte Passagen ab, indem sie Bedeutung und Begriffe sprachübergreifend abgleichen.
Beispiel: Ein Abschnitt aus einem englischen Fachartikel wird ins Deutsche übersetzt und ohne Hinweis auf das Original in die Masterarbeit eingebaut.
5
Ideenplagiat
Die fremde Argumentationsstruktur oder der originelle Gedanke wird übernommen, der Wortlaut hingegen ist eigen. Diese Form ist besonders heikel, weil sie kaum durch reine Textsuche zu erkennen ist. Sie wird oft erst im Gutachten durch erfahrene Prüfer auffällig, die die Originalquelle kennen.
Beispiel: Eine ungewöhnliche Drei-Ebenen-Analyse eines historischen Ereignisses wird übernommen, jedoch in eigenen Worten beschrieben, ohne den Erstautor zu nennen.
6
Selbstplagiat
Eigene frühere Arbeiten werden recycelt, ohne diesen Hinweis offenzulegen. Akademisch ist das ein Verstoß, weil jede Prüfungsleistung eine eigenständige neue Leistung sein muss. Auch identische Passagen aus eigenen, bereits veröffentlichten Aufsätzen müssen als Selbstzitat gekennzeichnet werden.
Beispiel: Ein Abschnitt aus der eigenen Hausarbeit aus dem dritten Semester wird unverändert in die Bachelorarbeit übernommen, ohne Verweis.
7
Strukturplagiat
Die Gliederung, der Aufbau oder die methodische Herangehensweise einer fremden Arbeit wird übernommen, ohne diese als Vorbild zu nennen. Bei sehr individuellen Strukturen (z. B. einer ungewöhnlichen Kapitelreihenfolge oder einer spezifischen Vergleichsmatrix) gilt das als plagiatsverdächtig, selbst wenn der Inhalt vollständig eigen verfasst wurde.
Beispiel: Eine Doktorarbeit übernimmt die exakte Kapitelfolge, die Forschungsfragenmatrix und die methodische Schrittfolge aus einer früheren Dissertation, ohne dies offenzulegen.